Wenn Wunden nicht mehr heilen

Veröffentlicht am Freitag, 20. September 2019

Wenn Wunden nicht mehr heilen

Wundmanagement-Team im Krankenhaus Maria Hilf hat Zusatzqualifikation

Warstein – Petra Krewitt öffnet die Schranktür. Der Behandlungsraum unweit der zentralen Aufnahme scheint für die 53-Jährige wie für manch anderen die Tiefgarage der eigenen Autos. Hier liegen Mullbinden neben Schaumverbänden in sämtlichen Variationen. „Und das ist mein Porsche“, sagt Krewitt und zieht eine mit Silikon beschichtete Wundauflage aus einem Schrankabteil, „die kommt zum Beispiel bei älteren Patienten zum Einsatz. Wenn die Haut so dünn ist wie Pergament und alle anderen Verbandsstoffe die Haut nur weiter einreißen würden.“ Eigentlich ist Schwester Petra, wie Krewitt sonst in ihrem Berufsalltag im Maria- Hilf-Krankenhaus genannt wird, für die Zentrale Aufnahme zuständig. Seit 1987 ist sie im Haus, gehört quasi zum Inventar. Wer mit einer frischen Wunde ins Krankenhaus kommt, landet bei ihr und ihren Kollegen. Seit nun fast zehn Jahren geht Krewitt beim Schichtbeginn zuerst beim Pförtner an ihrem Fach vorbei, prüft, ob ein Stationsarzt das Wundmanagement angefragt hat – und damit sie oder einen ihrer vier Kollegen. Dann weiß die Schwester: es geht nicht um eine frische Verletzung. Sondern um eine chronische Wunde, die seit vier Wochen – oder gar noch länger – nicht abgeheilt ist. „Das können Druckgeschwüre sein bei bettlägerigen Patienten, Verbrennungen oder eine Entzündung durch Wassereinlagerungen, weil der Patient eine Herzschwäche hat“, sagt Krewitt. „So eine Wunde kann aber mitunter auch schon entstehen, wenn sich ein aufgekratzter Mückenstich entzündet. Oder bei Diabetes-Patienten, die an den Füßen schwere Entzündungen bekommen können.“ Zwar seien die „normalen Schwestern auch zur Versorgung von Wunden ausgebildet. Die Behandlung von solch schwerwiegenderen Fällen erfordert jedoch eine Zusatz-Qualifikation wie Petra Krewitt sie hat. Jedes Jahr muss sie dafür Fortbildungen besuchen, sich alle fünf Jahre neu qualifizieren. „Wenn eine Station also nicht weiß, was zu tun ist, mache ich einen Therapievorschlag. Das letzte Wort hat der Arzt. Manchmal ist es schon mit einer Behandlung getan, manchmal dauert es länger und der Patient wird poststationär weiterbehandelt“, sagt Krewitt. Viele Patienten, viele Angehörige verstünden nicht, warum sie mit ihrer Wunde zum Wundmanagement geschickt werden. Aber eine Schublade mit einem allgemeingültigen Behandlungsplan aufziehen? „Das wäre schön, wenn es die gäbe“, lacht die Schwester. Zwar ist das Grundgerüst bekannt, aus dem die drei klassischen Phasen einer Wunde bestehen – die Reinigungsphase, die Granulationsphase sowie die Regenerationsphase. Ansonsten aber befinden sich Petra Krewitt und die vier anderen Mitarbeiter des Wundmanagements in einem Balanceakt, in dem die Wunde nicht zu nass, aber auch nicht zu trocken werden darf. In dem zwischen Schaumverbänden mit der Saugkraft einer Windel und einer „Light“-Variante entschieden werden muss – bis die Wunde am Schluss des Heilungsprozesses nur noch mit einer dünnen Folie geschützt wird. Das bedarf Übung und Fachwissen. Kommt ein Patient zu Schwester Petra, plant sie mindestens eine Stunde ein. Sie macht sich mit der Verletzungsgeschichte des Betroffenen vertraut, gegebenenfalls Fotos sichten. Die Wunde reinigen, entscheiden, wie sie weiter behandelt werden soll, alles dokumentieren. Rückendeckung gibt der Chefarzt – etwa, wenn Krewitt einen Belag auf der Wunde nicht mehr mechanisch entfernen kann. „Dann kommt die Chirurgie ins Spiel. Mit einer Kürette, das ist eine Art scharfer Löffel.“ Etwa drei bis vier Patienten kommen im Laufe einer Woche mit einer chronischen Wunde ins Warsteiner Krankenhaus – nicht alle aber bekommt Krewitt zu Gesicht, lediglich, wenn die Stationen ihre Hilfe brauchen. Die meisten ab 65 Jahre aufwärts. „Da vielen Fällen eine Herzschwäche vorausgeht, sind chronische Wunden leider auch ein altersbedingtes Problem“, so Krewitt. Schwester Petra hat viel gesehen in ihrer Zeit beim Wundmanagement. An einen besonders schlimmen Fall erinnert sie sich, eine Frau, mit tiefen Wunden bis auf die Knochen. „Das geht einem dann schon nah, weil man ja auch eine persönliche Beziehung zu den Patienten aufbaut. Einige sehe ich alle paar Tage. Und bei dem Job kann man nicht sagen: ich mach das mal eben. “, sagt Krewitt. Oftmals enden an ihrer Stelle im Wundmanagement mit der Überweisung an den Hausarzt für Krewitt viele Geschichten. „Ob es ein Happy End gibt, erfahre ich oft nicht.“ Die Nachsorge ist im MVZ Warstein beim Team der Chirurgen Dr. Dorota Stratmann und Dr. Frank Houben möglich

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